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Gemeinsame Sache machen im Quartier – wie geht das?

08.05.2024

Im Praxisprojekt „Du bist Bocklemünd – Werkstadt 829“ wurde in dem Kölner Quartier ein neuer Ansatz der Gemeinwesenarbeit erprobt, der Soziale Arbeit mit Kunst- und Kulturangeboten verbindet. Das Institut für Migration und Diversität (MIDI) der Technischen Hochschule Köln hat das Projekt evaluiert und die Ergebnisse im Rahmen der Tagung „Soziale Arbeit und Kultur im Gemeinwesen“ vorgestellt. Die „Werkstadt 829“ und die wissenschaftliche Begleitung des Projekts wurden innerhalb der Stiftungsinitiative „Gemeinsam im Quartier“ von den drei RheinEnergieStiftungen gefördert.

Gespannte Aufmerksamkeit in Raum 220 der TH Köln am Ubierring. Rund 60 Studierende und FachvertreterInnen haben sich an diesem Tag zu der Tagung „Soziale Arbeit und Kultur im Gemeinwesen“ eingefunden. Im Rahmen dessen präsentierten Prof. Dr. Markus Ottersbach und sein Forschungsteam die Ergebnisse der Evaluation des ersten Modellprojekts der Stiftungsinitiative „Gemeinsam im Quartier“, das die drei RheinEnergieStiftungen seit 2020 fördern. Mit von der Partie waren ExpertInnen aus Wissenschaft und Praxis. So ordneten Prof. Dr. Werner Schönig von der Katholischen Hochschule (Abteilung Köln), Maren Schreier von der Fachhochschule St. Gallen sowie Thomas Bischofs vom Veedel e.V. die Ergebnisse der Untersuchung aus ihrer jeweiligen Sichtweise ein. Alle waren sich einig, dass das Projekt in seiner Gesamtheit und mit Blick auf die zurückliegenden Jahre als Erfolg gewertet werden kann. Dies vor allem vor dem Hintergrund, dass die Werkstadt 829 unter erschwerten Bedingungen starten musste: nämlich zeitgleich mit dem ersten Lockdown der Corona-Pandemie. Trotz dieses schwierigen Anfangs kann das Projekt mittlerweile mit etablierten Programmangeboten auf Kulturebene wie Gartenkonzerten oder Modeworkshops sowie pädagogischen Angeboten für Kinder und Jugendliche aufwarten. Vor allem die über die Jahre gewachsene Akzeptanz und auch Teilnahme vieler Bocklemünder BürgerInnen an dem Projekt ist, so die Experten, als sehr erfreulich zu werten und spricht für den positiven Effekt der „Werkstadt 829“.

Bestens versorgt durch das köstliche Catering des Veedel e.V. gab es im Anschluss an die Vorträge einen spannenden Austausch aller Tagungsteilnehmenden. Dabei entstanden interessante Impulse aus verschiedenen Blickwinkeln. Unter anderem wurde darüber diskutiert, ob die spezielle Herangehensweise der Gemeinwesenarbeit, die mit kulturellen und künstlerischen Angeboten einhergeht, in benachteiligten Stadtteilen wie Bocklemünd Sinn macht. Hier hoben vor allem die WissenschaftlerInnen der TH Köln hervor, dass eine erfolgreiche Gemeinwesenarbeit dieser Art in benachteiligten Stadtquartieren vor allem eine langfristige Förderung anstatt kurzfristiger Unterstützung benötigt, um zu gelingen. Ebenso wurde debattiert, dass bei einem solchen Kooperationsprojekt wie der „Werkstadt 829“ verschiedene Disziplinen, Hintergründe und auch Denkweisen aufeinandertreffen und ein gemeinsames Verständnis für die Arbeit dementsprechend erst entwickelt werden muss. Mittlerweile aber, so die Projektbeteiligten, sei die Werkstadt ein eingespieltes Team, das sich über die vergangenen vier Jahre einen gemeinsamen Arbeitsansatz aufgebaut habe. Das zeigt nun auch die Evaluation der TH, die widerspiegelt, dass sich Gemeinwesenarbeit im Quartier lohnt und die Menschen vor Ort empowert. Dies vor allem, wenn Reibungspunkte, die innerhalb von Kooperationen zwischen verschiedenen Trägern entstehen können, überwunden werden und man gemeinsam ein Ziel anvisieren und Vorhaben umsetzen kann.

Über das Praxisprojekt

Ziel des Modellprojektes „Du bist Bocklemünd – Werkstadt 829“ ist es, gemeinsam mit BewohnerInnen des Stadtteils Bocklemünd ihr Lebensumfeld durch facettenreiche, auf ihre Bedarfe zugeschnittene Angebote konstruktiv zu gestalten. Das Praxisprojekt wurde von den Vereinen Aktion Nachbarschaft, Coach, FAIR.STÄRKEN, Offene Jazz Haus Schule und Modekollektiv durchgeführt und im Rahmen der Stiftungsinitiative „Gemeinsam im Quartier“ der drei RheinEnergieStiftungen gefördert.

Die Werkstadt 829 wird auch nach dem Förderende der RheinEnergieStiftungen weiterarbeiten. Erfreulicherweise konnten die Projektangebote durch verschiedene Anschlussfinanzierungen gesichert werden.

Die Stiftungsinitiative „Gemeinsam im Quartier“ der RheinEnergieStiftungen geht in eine zweite Runde. Erneut werden die RheinEnergieStiftungen ein innovatives Quartiersentwicklungsprojekt fördern, das vor Ort Vorhaben mit den Förderschwerpunkten der RheinEnergieStiftungen – Familie, Kultur und Jugend, Beruf / Wissenschaft – realisiert. Derzeit wird ein neues Quartier in Köln oder der Kölner Region gesucht, das ab Sommer 2024 in Förderung gehen soll.